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Das "grüne Haus"
Stadtplatz 28

Appartement, Privatzimmer

Rosemarie Wimmer
Tel.: 0676 / 315 47 73

email: Rosemarie Wimmer Stadtplatz 28


Hauschronik Stadtplatz 28

Entwicklung
Stadtplatz

Klosterneuburg entwickelte sich historisch aus drei zusammen gewachsenen Siedlungskernen. Im Bereich der Oberen Stadt (heute Rathausplatz) wurde in der 2.Hälfte des 1.Jhd. n.Chr. ein römisches Legionslager errichtet. Dies war der älteste Siedlungsteil.

Der zweite Siedlungskern erwuchs im Zuge der Awarenkriege um 791 und der daraus folgenden fränkisch-bayrischen Besiedlungswelle im Bereich des heutigen St.Martin.

Zwischen den beiden entstand um die Jahrtausendwende, der dritte Siedlungskern, die Untere Stadt (heute Stadtplatz), woraus in den nächsten drei Jahrhunderten der städtische Marktplatz entstand. Das älteste erhaltene Häuserverzeichnis des Klosterneuburg Stadtplatzes stammt aus dem Jahre 1339.

Entwicklung Haus
Stadtplatz 28

Schon 1339 findet das Eckhaus zur Bachgasse „gessl bey der phister prugk“1 Stadtplatz Nr.28 im ältesten erhaltenen Häuserverzeichnis Klosterneuburgs Erwähnung. Ein gewisser Simon Miles wird als Besitzer genannt. Dieser Simon Miles ist höchstwahrscheinlich identisch mit dem aus ritterlichen Geschlecht stammenden Stadtrichter Simon Wisent2. Dieser wird zu dieser Zeit in der Chronik des Stiftsarchivs bestätigt.

Von 1359 an ist Thoma Plödl, der nachmalige Stadtrichter (1413) Besitzer. Danach ist es im Besitz des Stadtrichters Meseer. Dessen Witwe Anna verkauft es dem Kürschnerehepaar Margarethe und Peter Pallwein. Margarethe Pallwein verkauft das Haus wiederum dem „erbarn, weisen Erasmus Insprucker (1471) des Rats der Stadt....“.

Am 27.September 1529 standen die Türken das erste Mal vor Klosterneuburg. Die Untere Stadt, die von den Bewohnern geräumt worden war, wurde geplündert und die Häuser in Brand gesteckt. So auch das Haus Nr. 28. (Historker vermuten, dass die rote Farbe, der Gewändesteine, eines zugemauerten gotischen Portals, welches sich in der das Grundstück umgebende mittelalterlichen Wehrmauer befindet, durch einen Brand zur Türkenzeit bedingt ist.)

1550 erwirbt der Binder Ulrich Spitlmaier das wieder hergestellte Gebäude, 1616 der „Weinkellerer“ Paul Pachwirdt. (1629 wird die untere Haushälfte abgetrennt und das heutige Haus Stadtplatz Nr.27 entsteht.

Am 16.Juli 1683 verwüsteten die Türken zum zweiten Mal die Unterstadt. Plünderten diese und steckten wieder die Häuser in Brand. Wer nicht geflohen war wurde umgebracht, wie der Besitzer des abgetrennten Nachbarhauses Nr 27. „der meister Jacob Baumbgartner, der erbärmlich niedergesäbelt ward“.

1689 kauft der Handelsmann Philipp Jacob Mosser Stadtplatz 28. 1725 ging es in den Besitz des Zimmermeisters Valentin Annolt. Über Conradt Remagen gelangte es 1792 an Mathias Herzog. Danach ist es von 1840 bis Ende des 19.Jhd. im Eigentum der Familien Rinessl und Winkler. 2001 kauften es Rosemarie und Mag. Sepp Wimmer und begannen umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsarbeiten.

Erklärung:
1 „gessl bey der phister prugk“ Gasse bei der Pfisterbrücke (1353). Die Pfisterbrücke war jene Brücke, die sich über dem Kierlingerbach (Lederbach) im Einmündungsbereich der Bachgasse in die Hundskehlengasse befand. Der Name stammt von der Pfisterei (Bäckerei und Mehldepot des Chorherrnstiftes), welches sich unmittelbar in diesem Bereich (heutiges Wassertor) befand.

2 Simon Wiesent war 1396 zusammen mit anderen Ratsherrn wie Thomas Fasszieher oder Heinrich dem Flötzer maßgeblich an einem Aufstand gegen den amtierenden Stadtrichter (Bürgermeister) und Ratsherrrn beteiligt. Grund war die Unzufriedenheit mit der Steuereinhebung und dem Warenverkauf. Sie setzten Richter, Ratsherrn,. Ratsschreiber und Ratsdiener ab und veranstalteten eine Neuwahl. Ein volles Jahr dauerten die Unruhen bis Herzog Albrecht IV eingriff und 27 Bürger in Greifenstein festsetzen lies. (Die Anhänger der Aufständischen verschanzten sich in Kritzendorf.) Zur Herstellung des Friedens erteilte der Herzog den beiden gegnerischen Parteien Spruchbriefe.

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Baugeschichtliche und historisch Gegebenheiten:

Im Kern spätgotisch, im Mauerwerk überwiegend 2.Hälfte 16./1.Hälfte 17.Jahrhundert. Insgesamt ist die Anlage ein breitgestreckter, zweigeschossiger, unregelmäßiger fünfachsiger Bau mit teilweisem abgewalmter Verdachung der von einer in mittelalterlichen Krümmung verlaufenden 3 – 4 m hohen Wehrmauer zur Bachgasse hin abgegrenzt wird. Im Keller, Erd- und Obergeschoß finden sich zahlreiche aus der 2.Hälfte des 16.Jhd. Stichkappentonnen, Kreuzgratgewölbe mit zum Teil angeputzten Graten sowie ein achtteiliges Stichkappentonnengewölbe. Im Interieur befinden sich noch einige Barocktüren und ein biedermeierlicher Dachstuhl.

Zur Stadtplatzseite sind an der Fassade Putzgliederungen aus dem 4.Viertel des 18. Jahrhundert. Weiters befinden sich an der Fassade über beide Geschosse gezogene Silhouettepilastergliederung und Orbänderung (4.Viertel 18.Jhd.) sowie Steingewändefenster mit Stegrahmung und profilierten Sohlbänken (1.Hälfte 17.Jhd.), in der linken Achse befindet sich ein rundbogig abgefasstes Portalgewände aus der 2.Hälfte des 16.Jhd.

Die Rückseite ist zweigeteilt. Auf der linken Seite befindet sich ein dreiachsiger Seitenrisalit mir einem Schopfwalmgiebel. Über die rechte Hälfte erstreckt sich im ersten Stock ein offener zweienhalbachsiger, mit stichbogig geöffneten Kreuzgratgewölben überdeckter Pfeilerarkadengang aus der 2.Hälfte des 16.Jhd. Unterhalb befindet sich eine kassettierte Brüstung über abgefasst vorkragenden Blendarkaden unterschiedlicher Spannweite.

In der die Anlage gegen die Bachgasse abgrenzenden 3-4 m hohen Wehrmauer, welche zum Teil aus Bruchsteinen errichtet wurde, befinden mehrere mittelalterliche Radabweiser, ein abgemauertes gotisches Portal, ein kleines abgemauertes spätgotisches Steingewändefenster sowie eine freigelegte romanische Schießscharte.

 

 

 

 

 

 

 

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Renovierung 2001 -2007

Nach dem Kauf 2001 begannen die neuen Besitzer umfangreiche Sanierungs- und Renovierungsarbeiten. Das Mauerwerk des Hauses mit seinen bis zu ein Meter dicken Mauern war in relativ gutem Zustand. Dies obwohl zahlreiche Mauern noch aus Mischmauerwerk mit groß dimensionierten Steinen bestanden. Als Folge der zahlreichen Umbauten in den vergangenen Jahrhunderten (oftmals unprofessionel), war aber die Statik problematisch. Die tragenden Mauern standen in den einzelnen Geschossen nicht aufeinander. Die Dachdeckung stammte aus dem Anfang des 20.Jahrhunderts, der Fassadenanstrich war in den vergangenen Jahrzehnten oftmals nur ausgebessert worden. Der Dachstuhl selbst stammte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und war vermorscht und war immer wieder durch Hilfskonstruktionen verstärkt worden.

Die Stromleitungen stammten aus den 1960iger Jahren und waren teilweise noch über Putz verlegt. Die Sanitäranlagen waren ebenfalls Jahrzehnte alt. Wasserleitungen und Abflußrohe waren weitestgehend noch aus Blei. Eine Wohnung verfügte sogar noch über ein WC am "Gang" dass sich im Außenbereich (Arkadengang) des Hauses befand. Das Haus verfügte über keine zentrale Heizungsanlage. Geheizt wurde entweder mittels festen Brennstoffen, Gas(flaschen) oder Strom.

Da sich die Vorbesitzer wenig um die Liegenschaft gekümmert hatten, war der Hof (ein alter Wehrgarten) mit zahlreichem Gerümpel übersät. Verschiedene, zum Großteil baufällige Holzschuppen und zahlreicher Unrat mußten entsorgt werden.

Im Februar 2002 wurde um die Baubewilligung für die Sanierungs- (Verlegung einer zentralen Heizungsanlage, Erneuerung der Stromleitungen, etc.) sowie Ausbauarbeiten (Dachstuhls, Überdachung des Eingangsbereich mit einer darüber gelegenen Terasse) eingereicht. Als nicht gerade erfreulich stellte sich nun heraus, dass in keinen Grundbuchunterlagen eine Grundstücksgrenze zum im 17.Jhd. abgetrennten Nachbarhaus Stadtplatz 27 (Fa.Gschweidl) zu finden war. Bei der nun notwendigen Neuvermessung stellte sich darüber hinaus heraus, dass auch keine - wie es die NÖ Bauordnung vorschreibt - durchgehende senkrechte Trennungslinie einzuzeichnen möglich war, da in den verschiedenen Ebenen der beiden Häuser die Räume erheblich in die benachbarten Grundstücke hinein ragten. Um dieses Problem zu beheben, mußten nun zwischen den beiden EigentümerInnen gesonderte Besitz- und Nutzungsverträge abgeschlossen werden.

Aber es gab auch erfreuliche Entdeckungen. Zahlreiche andere derartige Wehrhöfe am Stadtplatz verfügten über einen eigenen Brunnen. Am Stadtplatz 28 fand sich jedoch beim Kauf 2001 keiner. Auch Erkundigungen bei Vorbesitzern und ehemaligen MieterInnen gaben keine Hinweise auf einen früheren Brunnen.
Bei den Arbeiten zur Errichtung des überdachten neuen Eingangsbereich wurde dann direkt an der Rückseite des Hauses die betonierte Oberfläche eines alten Gehweges entfernt. Darunter fand sich ein aus großen Steinen gelegter Kreis (Durchmesser ca. 1,5m). Beim Tiefergraben fanden sich weitere Steinreihen. Es war ein zugeschütteter Brunnen*. Ein nun beauftragter Wünschelrutengänger bestätigte, das Vorhandensein einer Quelle in ca. 10m Tiefe. Mittels Leiter und Seilwinde wurde der zugeschüttete Brunnen von den beiden Eigentümern händisch freigelegt. Eine professionelle Brunnenbaufirma erledigte dann den Rest, wie die Einbringung von neuen Filtermaterial und installierte neue Leitungen und eine neue Wasserpumpe. Der Brunnen versorgt seitdem den gesamten Wehrgarten incl. des Biotops mit Wasser.

* (Inzwischen stellte sich heraus, dass der Brunnen (wie zahlreiche andere auch) um 1920, als viele Typhusfälle auftraten, aus Hygienegründen zugeschüttet werden mußte. Die Häuser wurden dann an das städtische Wasserleitungsnetz angeschlossen. "Geschlagen", also errichtet, wurde der Brunnen um ca. 1800.)


In den Jahren 2001 bis 2006 wurden die Elektroinstallationen erneuert, eine zentrale Heizungsanlage installiert, Stiegen und Böden erneuert, Wände versetzt bzw. neu verputzt und ausgemalen, die Fenster erneuert bzw repariert, und ein neuer überdachter Eingangsbereich entlang der hinteren Hausmauer wurde neu errichtet. 2005 wurde die teilweise vermorschte Dachbodengeschoßdecke durch eine tragfähigere Beton-Stahlkonstruktion ersetzt. Dies wurde dadurch erschwert, da - wie schon eingangs erwähnt - das Mauerwerk des ersten Stockes nicht über den Mauern des Erdgeschosses errichtet war. Erst nach umfangreichen statischen Berechnungen konnte die Erneuerung der obersten Geschoßdecke erfolgen.

Im Spätherbst 2006 wurde der alte vermorschte Dachstuhl und die Dachdeckung abgerissen und durch einen Neuen und neuer Eindeckung ersetzt.

Die Renovierung und Sanierung dieses, eines der ältesten Häuser Klosterneuburgs, wurde zum überwiegenden Teil mit Klosterneubrger Firmen durchgeführt: Baumeisterarbeiten: Fa. Schaffer und Fa.Belloni, Elektroarbeiten: Fa. Gutenthaler, Innenausbau: Fa.Klicka, Kunstschmiedearbeiten: Fa. Giefing, Glasarbeiten: Fa. Glaser, Fa. Holzinger und Fa. Scharl.

Nichts desto trotz wäre ohne beträchtliche Eigenleistung, von Entrümpeln, Schutt - und wieder Schutt entfernen, betonieren, verputzen, Fenster reparieren, ausmalen bis zum Regenwasserschöpfen dies alles nicht möglich gewesen. Das Resultat zeigt jedoch, dass sich jeder Handgriff ausgezahlt hat.

Rosemarie und Mag. Sepp Wimmer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Einige Photos in der Gegenüberstellung

2001 Beginn Renovierung
2007 Ende Renovierung
Vorher
Nachher